Wie wird Berufsorientierung definiert?
Berufsorientierung ist die Förderung der Kompetenz, Berufsbiografien zu entwerfen, vorzubereiten und zu gestalten. Das Neue wird in der Komplexität des Plurals „Berufsbiografien“ (oder auch berufliche Laufbahnen) im Zusammenhang mit den Handlungen „entwerfen“, „vorbereiten“ und „gestalten“ deutlich.
Sie ist als individueller und kontinuierlicher Prozess der Berufswege- und somit Lebensplanung zu verstehen, der in Kindergarten und Grundschule beginnt, in den weiterführenden Schulen intensiviert wird, in einen Beruf mündet, zum Erwerb von Berufserfahrungen führt, über Fort- und Weiterbildung in andere Berufsfelder wechseln lässt und lebenslanges Lernen umfasst. Berufsorientierung schließt das Studium als Bildungsweg ein und versteht sich somit auch als Studienorientierung.
Was bedeutet dies für die Arbeit an Thüringer Schulen?
Das aktuelle Verständnis von Berufsorientierung geht davon aus, dass sie mehr als die einmalige, lineare Berufswahlvorbereitung auf eine Berufs- oder Studienwahlentscheidung ist. Die Entwicklung der individuellen Berufswahlkompetenz stellt für Schule als einen Partner im Berufswahlprozess der jungen Heranwachsenden eine neuartige Herausforderung dar. Die konzeptionelle Arbeit an der Schule verlangt eine komplexere Sicht auf die Berufsorientierung als bisher. Berufsorientierung soll verstanden werden als Berufswege- und Lebensplanung (vgl. Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland, 2009). Unter dieser Perspektive gewinnen Begleitung und Moderation als Form pädagogischer Unterstützung in der schulischen Berufsorientierung an Bedeutung. Junge Menschen werden so bestärkt, den eigenen Berufswahlprozess selbstgesteuert und eigenverantwortlich zu gestalten.
Berufsorientierung ist daher als didaktisches Grundprinzip in Schulleitbild und Schulorganisation umzusetzen. Jede Schule erarbeitet im Rahmen der eigenverantwortlichen Gestaltung der Schulentwicklung eine Konzeption zur Berufsorientierung, die auf jeder Jahrgangsstufe die Ziele der Berufsorientierung und deren Erreichung beschreibt. Die Konzeptarbeit schließt die Evaluation der Angebote zu methodisch vielfältigen, outputgesteuerten Lerngelegenheiten an verschiedenen Lernorten und die Kooperation mit (externen) Partnern ein. Die Erarbeitung und die Realisierung erfolgt in gemeinsamer Verantwortung mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Das setzt fachlich und methodisch qualifiziertes Personal voraus. Schulentwicklung und Lehrerfortbildung gehen somit einher.
Welche Materialien bilden die Grundlage für die Arbeit an Thüringer Schulen?
Seit März 2010 erscheinen Materialien zur Berufsorientierung in Thüringen in einem einheitlichen, gelb-weißen Layout. Den Anfang machte die Thillm-Broschüre „Berufs- und Studienorientierung an Thüringer Schulen – Materialien-Nr. 155“ (siehe Materialien). In ihr werden die aktuellen Erkenntnisse zur Didaktik und zu den Methoden der Berufsorientierung, zum Kompetenzverständnis der Thüringer Lehrpläne und der Bezug zu den Bildungsstandards erläutert. Ebenso werden die veränderten Aufgaben von Schule im Prozess von Kompetenzentwicklung und Qualitätssicherung dargestellt. Dem Berufswahlpass als zentralem Instrument der Berufsorientierung in Thüringen ist ein weiteres Kapitel gewidmet.
Der Thüringer Berufswahlpass präsentierte sich mit seiner 7. Auflage zu Beginn des Schuljahres 2010/2011 ebenfalls im gelb-weißen Layout.
Im Januar 2011 erschien die Thillm-Broschüre „Berufs- und Studienorientierung - Erfolgreich zur Berufswahl. Ein Orientierungs- und Handlungsmodell für Thüringer Schulen. – Materialien-Nr. 165“ (siehe Materialien). In ihr werden das von der Universität Erfurt entwickelte Thüringer Berufsorientierungsmodell (ThüBOM) und die daraus abgeleiteten Standards und Qualitätskriterien nachhaltiger schulischer Berufsorientierung beschrieben.
Die 8. Auflage des Thüringer Berufswahlpasses erscheint zu Beginn des Schuljahres 2011/2012 mit neuer Innengestaltung. Dabei folgten die Autoren konsequent den Thillm-Veröffentlichungen „Berufs- und Studienorientierung an Thüringer Schulen – Materialien-Nr. 155 und 165“. Der Pass wurde inhaltlich weiter überarbeitet und an den aktuellen wissenschaftlich geprüften Erkenntnissen der Berufswahlforschung ausgerichtet.
Weitere Materialien (u.a. Filmsequenzen zu verschiedenen Berufen) stehen in der Mediothek des Thüringer Schulportals zur Verfügung. Dabei ist zu beachten, dass bei Nutzung der direkten Suche über „Sachgebiete“ die Rubriken Berufliche Bildung, Praxisorientierte Fächer, Sachgebietsübergreifende Themen oder Wirtschaftskunde hilfreich sind.