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Belastungsfaktoren und mögliche Folgen

Belastungsfaktoren und mögliche Folgen

Hohe gesellschaftliche Erwartungen

Die Erwartungen der Gesellschaft an die Schule als Institution haben sich verändert und erhöht. Mehr als in früheren Zeiten kommt in den Schulen Vieles zusammen, was vom Elternhaus oder dem sozialen Umfeld der Schüler nicht aufgefangen wird. Es summiert sich und entlädt sich in der Schule.
Die Arbeit eines Lehrers, aber auch des Erziehers und der Sonderpädagogischen Fachkraft ist ungleich anspruchsvoller als vor Jahren geworden ist.
Lehrer zu sein heißt mehr als nur zu unterrichten. Lehrer sollen Wissen vermitteln, erziehen, beraten, fördern, gerecht beurteilen, die richtige Schul- und Berufslaufbahn vorbereiten, Verwaltungsaufgaben erledigen, gegensätzliche Erwartungen von Schülern, Eltern, Kollegen und Schulleitung erfüllen, Klassenfahrten organisieren und durchführen, Pausenaufsichten leisten u. v. m.

Gesellschaftliche Wertschätzung und Lehrerbild

Die von den Pädagogen geleistete verantwortungsvolle Arbeit im "Lebensraum Schule" verdient hohe gesellschaftliche Wertschätzung. Einerseits wird der Umgang mit den Schülern von der Mehrzahl der Lehrer als eine anspruchsvolle und erfüllende Aufgabe empfunden, wobei sie hier überwiegend Anerkennung durch Schüler und Eltern erfahren. Andererseits erfährt der große Anteil der ergänzend zum Unterricht zu erledigenden Arbeiten nicht immer die notwendige gesellschaftliche Wertschätzung.

Darüber hinaus findet sich ein verzerrtes Lehrerbild in der Öffentlichkeit. So glaubt jeder als selbst ernannter "Experte" beim Thema Schule mitreden zu können oder der Lehrerberuf wird als Halbtagsjob mit viel Freizeit abgewertet. Dieses negative Lehrerimage kann belastend wirken.

Berufstypische Einfluss- bzw. Belastungsfaktoren

Das breite Aufgabenfeld eines Lehrers bzw. Pädagogen stellt in Abhängigkeit von der Arbeitsorganisation, dem sozialen Klima an der Schule sowie den individuellen Handlungsvoraussetzungen hohe psychische und physische Forderungen.

Psychische Belastungen werden vornehmlich durch Arbeitsaufgaben, organisatorische und soziale Arbeitsbedingungen sowie die Arbeitsumgebung im komplexen Zusammenwirken charakterisiert. Eine isolierte Betrachtung nur einzelner Bedingungen (z. B.: Schulstruktur, Klassengröße) kann dagegen die Belastungssituation nicht umfassend beschreiben. Die Belastungsfaktoren werden individuell unterschiedlich wahrgenommen, bewertet und verarbeitet. Je nach den individuellen Bedingungen und Handlungsvoraussetzungen des einzelnen Menschen, der sogenannten Reizschwelle, sowie in Wechselwirkung mit den betrieblichen Rahmenbedingungen wirken sich diese Belastungsfaktoren in Form von körperlichen, geistigen oder emotionalen Beanspruchungen unterschiedlich beim Einzelnen aus.

Als negative Beanspruchungsfolgen können sich Leistungsbeeinträchtigungen, körperliche Beschwerden und ernsthafte Gesundheitsschäden entwickeln. Insbesondere besteht die Gefahr psychischer Fehlbelastungen.

Psychische Fehlbelastungen und deren Folgen

Sind die psychischen Belastungen nicht ausgewogen und können auch nicht durch Entspannung und/oder körperliche Betätigung abgebaut werden, kann dies zu negativen Beanspruchungsfolgen, zu psychischen Fehlbelastungen führen.

Wer sich überfordert fühlt, unter Zeitdruck steht, für Probleme keine Lösungen findet, sich nicht anerkannt fühlt, der leidet unter diesen Belastungen, denen der Körper auf Dauer nicht gewachsen ist. Negative Auswirkungen psychischer Fehlbelastungen können alle Berufsfelder und berufliche Hierarchiestufen betreffen.
Im Ergebnis kann es zu psychischer Ermüdung, innerer Anspannung, Sättigungsgefühl oder Monotoniezuständen bei den Betroffenen kommen. Leistungsbereitschaft, Leistungsfähigkeit und meist auch Lebensfreude sind in der Regel erheblich beeinträchtigt. Beschwerden wie Kopf- und / oder Rückenschmerzen, bis hin zu ernsthaften organbezogenen Erkrankungen, können sich einstellen.

Andauernde psychische Fehlbelastungen können dann führen zu:

  • seelischen Krankheiten mit funktioneller Symptomatik und Organbeschwerden, ohne Vorliegen einer organischen Ursache,
  • seelischen Krankheiten mit psychischer Symptomatik (sogenannte reaktive Depressionen),
  • neurotischen Erkrankungen mit Angst- und Zwangssymtomatik,
  • einem Burnout-Syndrom als Langzeitfolge chronischer psychischer Fehlbelastung.

Aus den "Empfehlungen für den Gesundheits- und Arbeitsschutz in der Schule - Eine Handreichung für Lehrer, Erzieher und Sonderpädagogische Fachkräfte zur Förderung des Gesundheits- und Arbeitsschutzes in der Thüringer Schule", Unfallkasse Thüringen, Kooperationspartner des TMBWK im Projekt Lehrergesundheit, Kontakt über: http://www.ukt.de.

Quellen: Karikaturen von Klaus-Dieter Scheler, Thüringer Landesbetrieb für Arbeitsschutz und technischen Verbraucherschutz, Regionalinspektion Nordhausen

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