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Alphabetisierung und Berufsausbildung

Analphabetismus in Deutschland? Eine Begriffsklärung.
 
Ein Analphabet ist im allgemeinen Sprachgebrauch ein Mensch, der über keinerlei Lese- und Schreibkenntnisse verfügt.
Da Deutschland ein sehr gut ausgebautes Schulsystem besitzt und eine Schulpflicht in den einzelnen Landesverfassungen der Länder festgeschrieben ist, kommt diese Form des so genannten „primären Analphabetismus“ so gut wie nicht mehr vor.
In unserem Land gibt es vielmehr „sekundäre Analphabet/innen“ – Menschen, bei denen nach einem mehr oder minder erfolgreichen Schulbesuch die einmal erworbenen Schriftkenntnisse wieder verloren gehen, da sie diese kaum bzw. gar nicht anwenden.
Ob eine Person als Analphabetin bzw. Analphabet gilt, hängt jedoch nicht nur von deren/ dessen individuellen Lese- und Schreibkenntnissen ab. Wenn diese Kenntnisse beispielsweise niedriger sind als die, die in der Gesellschaft, in der dieser Mensch lebt, erforderlich sind um im Leben erfolgreich zu sein, liegt „funktionaler Analphabetismus“ vor.
In Deutschland ist der Grad an Schriftgradbeherrschung, der als selbstverständlich vorausgesetzt wird, sehr hoch. Deshalb können hier auch Personen als Analphabet/innen gelten, die über begrenzte Lese- und Schreibkenntnisse verfügen. Nach Schätzung des „Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e.V.“ trifft dies auf etwa 4 Millionen Menschen in Deutschland zu – verstärkt sind auch Jugendliche von diesem Stigma betroffen.

Projekt "Alphabetisierung und Berufsausbildung“

 
Ein Großteil der im Rahmen von PISA identifizierten „Risikoschüler/innen“, die Gefahr laufen zu funktionalen Analphabet/innen zu werden, findet sich irgendwann in der „Berufsvorbereitung“ an der berufsbildenden Schule wieder.
Das „Berufsvorbereitungsjahr“ absolvieren Jugendliche, die nach Erfüllung ihrer Vollzeitschulpflicht die allgemein bildende Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen haben. Ziel dieses Bildungsganges ist es vor allem, diese Jugendlichen so zu fördern, dass sie die Berufsreife erlangen und in der Lage sind eine Berufsausbildung zu absolvieren. Die Basis einer Berufs- bzw. Ausbildungsreife ist jedoch eine gewisse Grundbildung, die vielen dieser Jugendlichen – neben sozialer und personaler Kompetenzen – fehlt.
Um die im BVJ unterrichtenden Kolleginnen und Kollegen in ihrer Aufgabe, diese Schülerinnen und Schüler adäquat zu fördern zu unterstützen, hat das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Kooperation mit dem Thillm und dem Thüringer Volkshochschulverband e.V. das Projekt „Alphabetisierung und Berufsausbildung“ initiiert, welches bereits im Schuljahr 2008/09 mit der SBBS Jena-Göschwitz startete und seit dem Schuljahr 2009/2010 mit drei weiteren berufsbildenden Schulen in Erfurt und Apolda fortgeführt wird.
Ziel dieser Initiative ist die Entwicklung der beruflichen Handlungskompetenz von Lehrenden im Bereich der Berufsvorbereitung hinsichtlich einer wissenschaftlich fundierten und zielgerichteten Unterstützung von jugendlichen funktionalen Analphabetinnen und Analphabeten.
Die Deutsch-Kurse werden jeweils von einer Lehrerin der berufsbildenden Schule und einer Alphabetisierungspädagogin durchgeführt. Dieses Coaching stellt eine effektive Möglichkeit dar, das für den Alphabetisierungsunterricht benötigte Know-how in möglichst kurzer Zeit im eigenen Unterricht anwendbar zu machen.

Weitere Angebote zum Thema „Alphabetisierung/ Grundbildung“

Analphabetismus kann nur wirksam bekämpft werden, wenn man dessen Ursachen kennt. Deshalb organisiert das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur sowie dem Thüringer Volkshochschulverband e.V. einen Fachtag zu dieser Thematik.
Die Veranstaltung will über die Ursachen, über Erscheinungsformen und Möglichkeiten zur individuellen Förderung Betroffener informieren – sie will vor allem aber Menschen zusammen bringen, die ihre Augen vor diesem Problem nicht verschließen. Herzlich eingeladen sind deshalb interessierte Kolleginnen und Kollegen der Regelschulen und berufsbildenden Schulen aller Fachrichtungen.
Die Fachtagung wird am 03. März 2010 im Thillm in Bad Berka stattfinden. Informationen zu konkreten inhaltlichen Schwerpunkten und Angeboten finden Sie auf der Internet-Seite des Instituts. Onlineanmeldungen sind hier möglich.

 
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